3-Monats-Koliken beim Säugling:
Ursachen und Hilfe

Von Jens Seibel
21. Mai 2026

Die ersten Lebensmonate eines Babys sind für Eltern meist sehr anstrengend: Wickeln und Füttern bestimmen den gesamten Tagesablauf, an Schlaf ist kaum zu denken. Wenn das Baby dann noch unter 3-Monats-Koliken leidet, liegen die Nerven der Eltern blank. Stundenlanges, exzessives Schreien belastet enorm – vor allem, wenn scheinbar nichts das Baby beruhigen kann. Woher kommen die 3-Monats-Koliken und was kann man tun, um dem Baby zu helfen?

Das Wichtigste auf einen Blick zu 3-Monats-Koliken

  • Definition: Von 3-Monats-Koliken oder Säuglingskoliken spricht man, wenn das Baby an mindestens drei Tagen pro Woche für drei Stunden schreit – und das über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen.
  • Ursachen: Der Begriff „3-Monats-Koliken“ ist irreführend. Neuesten Erkenntnissen zufolge sind nicht Bauchschmerzen der Grund für das Schreien, sondern unter anderem zu viele Reize von außen.
  • Symptome: Betroffene Babys zeigen oft einen aufgeblähten Bauch – das ist aber nicht Ursache, sondern Folge des Schreiens.
  • Verlauf: Bei den meisten Säuglingen bessern sich die Schreiattacken nach dem dritten Lebensmonat spontan.
  • Behandlung: Eltern sollten bei Schreiattacken möglichst ruhig bleiben und – wichtig – gut für sich selbst sorgen. Hausmittel und Medikamente gegen Blähungen können bei 3-Monats-Koliken Linderung verschaffen, falls das Baby beim Schreien viel Luft verschluckt.

3-Monats-Koliken erkennen: Typische Symptome und Anzeichen

Weinen und Schreien sind für Babys eine überlebenswichtige Strategie: Nur dadurch können sie sich Gehör verschaffen und mitteilen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Bei Hunger, einer vollen Windel, Schwitzen oder Frieren können die Eltern schnell Abhilfe schaffen und das Baby beruhigen. Was ist aber, wenn es anhaltend und immer wieder schreit – oft über Stunden, ohne dass erkennbar ist, was ihm fehlt?

Die Rede ist von 3-Monats-Koliken. So nennt man die intensiven Schreiattacken, die typischerweise abends auftreten und abrupt, ohne erkennbaren Auslöser, beginnen. Das schrille Schreien wird dabei oft von Anzeichen körperlichen Unbehagens begleitet: Das Baby krümmt den Körper, ballt die Fäustchen und spannt die Muskulatur an. Häufig bemerken Eltern einen harten, aufgeblähten Bauch, während das Gesicht der Kleinen vor Anstrengung rot anläuft.

Weinen und Schreien ist bei Babys in gewissem Ausmaß völlig normal. Ab wann spricht man nun von 3-Monats-Koliken? Zur Orientierung dient die sogenannte „Dreier-Regel“: Das Baby schreit an mindestens drei Tagen in der Woche für jeweils mindestens drei Stunden – und das über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen. Doch diese Zahlen sind nur als Faustregel zu verstehen. Wichtiger ist das subjektive Empfinden der Eltern, die sich durch das häufige Schreien oft stark belastet fühlen.

3-Monats-Koliken bessern sich im Verlauf oft spontan

Etwa 15 bis 30 Prozent aller Babys sollen von 3-Monats-Koliken betroffen sein – das ist rund jeder vierte Säugling. Bei vielen Babys beginnen die Schreiattacken bereits früh, in der zweiten Lebenswoche, und können sich anschließend steigern: Ihren Höhepunkt haben 3-Monats-Koliken oft im Alter von sechs Wochen.

Gegen Ende des dritten Lebensmonats bessern sich die Schreiattacken in der Regel ganz von selbst. Nur in Ausnahmefällen, bei etwa 8 Prozent der Kinder, setzt sich das Schreien über den dritten Lebensmonat hinaus fort. Ab wann 3-Monats-Koliken bei Babys auftreten und wie lange sie andauern, lässt sich im Einzelfall aber nicht vorhersagen.

Wichtig zu wissen ist: Für die spätere Entwicklung der Kleinen haben 3-Monats-Koliken keine Konsequenzen, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. „Schreibabys“ gedeihen völlig normal und altersgerecht, sie leiden später nicht unter gesundheitlichen Einschränkungen.

Blähungen sind nicht die wahre Ursache für 3-Monats-Koliken

Früher wurde häufig angenommen, dass Blähungen und Bauchkrämpfe das Schreien auslösen. Denn oft lässt sich beobachten, wie das Kind sich überstreckt und mit den Beinen strampelt, als würde es gegen Schmerzen kämpfen – daher auch die Bezeichnung „3-Monats-Koliken“.

Neuere Forschungen zeigen aber, dass „Schreibabys“ initial nicht mehr Luft im Bauch haben als ihre Altersgenossen, die weniger häufig weinen. Die oft beobachteten Blähungen sind eher eine Folge des Schreiens, weil die Kleinen dabei viel Luft schlucken.

Die eigentliche Ursache für die Schreiattacken sehen Forschende heute in einer Regulationsstörung: Babys haben den Tag über viele Eindrücke zu verarbeiten, die ungefiltert auf sie einströmen. Erwachsene Menschen haben gelernt, Sinneseindrücke in wichtig und unwichtig zu unterscheiden, vieles dringt daher gar nicht in ihr Bewusstsein vor. Babys müssen das erst noch lernen. Helles Licht, Musik, Straßenlärm, viele Menschen – das kann Säuglinge schon überfordern. Sie äußern das meist erst, wenn alles wieder ruhig ist – indem sie schreien.

Von vermeintlichen „Säuglingskoliken“ betroffene Babys tun sich mit den Entwicklungsaufgaben der frühen Lebensmonate offenbar besonders schwer. Häufig bringen diese Kinder von vornherein ein höheres Aktivitäts- und Erregungsniveau mit als ihre ruhigeren Altersgenossen. „Schreibabys“ müssen also erst lernen, einen gesunden Ausgleich zwischen Erregung und Entspannung zu finden und sich selbst zu beruhigen. Bis ihnen das selbst gelingt, benötigen sie dafür die liebevolle Unterstützung ihrer Eltern – von Fachleuten auch „Ko-Regulation“ genannt.

In Einzelfällen können auch Erkrankungen das exzessive Schreien auslösen. Zur Sicherheit sollten Sie trotzdem eine Kinderarztpraxis aufsuchen, um medizinische Ursachen ausschließen zu lassen. Das Fachpersonal unterstützt Sie in jedem Fall – egal, ob es sich um Regulationsstörungen, Krankheiten oder Koliken handelt – und kann wertvolle Tipps geben, die den Alltag mit dem Baby erleichtern.

Behandlung und Hilfe bei 3-Monats-Koliken: was können Sie für Ihr Baby tun?

Das unaufhörliche Schreien führt bei Eltern schnell zu belastenden Gefühlen – Schuld, Versagensgefühle und Verzweiflung bis hin zu Wut sind keine Seltenheit. Wenn Sie ein Schreibaby haben, sollten Sie nicht zögern und sich Hilfe holen. Viele Unikliniken bieten professionelle Beratung in Form einer Schreiambulanz an. Auch Familie und Freunde helfen sicher gern dabei, Ihren Alltag zu entlasten.

Testen Sie aus, was Ihrem Baby bei 3-Monats-Koliken hilft. Folgende Strategien können Ihr Baby langfristig beruhigen:

  • Viel Nähe ist das Wichtigste. Babys genießen direkten Hautkontakt meist sehr. Auch das Herumtragen im Tragetuch oder das enge Einwickeln in ein dünnes Tuch, das sogenannte Pucken, kann beruhigend wirken. Wichtig ist dabei, dem Kind auch in ruhigen Phasen viel Nähe und Geborgenheit zu schenken: Wie Studien zeigen, verlaufen 3-Monats-Koliken bei Kindern, die generell viel getragen werden, häufig glimpflicher – auch wenn sich das Baby während der Schreiattacken vielleicht nicht unmittelbar beruhigen lässt.
  • Monotone Hintergrundgeräusche, wie vom Staubsauger oder Föhn, empfinden viele Babys als angenehm. Es erinnert sie an ihre Zeit im Mutterleib, als sie noch umgeben von Herzschlag, Blutrauschen und Darmgeräuschen der Mutter waren. Tipp: Dieses sogenannte weiße Rauschen gibt es mittlerweile auch als App.
  • Gleichmäßige Rhythmen und Wiederholungen wirken für Babys häufig beruhigend: etwa das Singen von Gute-Nacht-Liedern, sanftes Sprechen oder leise Hintergrundmusik.
  • Manche Kinder lassen sich durch Baden, Wickeln oder rhythmische Bewegungen wie Wippen beruhigen. Für andere wirken solche Ablenkungsmanöver zusätzlich überreizend. Testen Sie daher aus, ob Ihrem Kind bei 3-Monats-Koliken eher Aktivität oder – im Gegenteil – ein reizarmes Umfeld hilft.

Wichtig ist, dass Sie als betroffene Eltern gut für sich selbst sorgen: Je ruhiger das Umfeld, desto eher finden auch „Schreibabys“ wieder zur Ruhe. Achten Sie daher auf Ihre eigenen Grenzen und holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung, wenn Sie bemerken, dass Ihre Kräfte zur Neige gehen.

Vielen Eltern hilft es auch zu wissen, dass 3-Monats-Koliken ein völlig normales Entwicklungsphänomen darstellen. Sie sollten Ihr Kind während der Schreiphasen zwar liebevoll begleiten, müssen es aber nicht um jeden Preis beruhigen.

Helfen Hausmittel bei 3-Monats-Koliken?

Um Bauchschmerzen als vermeintliche Ursache des Schreiens in den Griff zu bekommen, wurden früher häufig Tees, ätherische Öle, Windsalben oder Zäpfchen empfohlen. Heute wissen wir, dass Blähungen eher Folge als Ursache der 3-Monats-Koliken sind – und Hausmittel oder Medikamente den Schreitattacken daher nicht von vornherein vorbeugen können.

Trotzdem: Vermuten Sie Blähungen bei Ihrem Kind, helfen häufig Bauchmassagen, Wärme oder der sogenannte Fliegergriff. Mehr Tipps finden Sie unter Hausmittel gegen Blähungen. Auch entschäumende Medikamente wie das Lefax® Pump-Liquid können festsitzende Gase befreien und dem Baby Erleichterung verschaffen, wenn es während der Schreiattacken viel Luft verschluckt. Bedenken Sie aber, dass Hausmittel oder entschäumende Tropfen bei 3-Monats-Koliken nur als Begleitmaßnahme sinnvoll sind. Wichtiger ist es, Ihrem Kind viel Nähe zu gönnen und für ein ruhiges Umfeld zu sorgen.

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